Leindotter: Fast vergessener Alleskönner

Leindotter ist ein Kreuzblütengewächs, das als Wild- und Kulturpflanze insbesondere in Süd- und Mitteleuropa beheimatet ist. Die Geschichte des Leindotters als Kulturpflanze begann bereits in der Jungsteinzeit. Die Aussaat der genügsamen Pflanze erfolgt als Sommerfrucht von März bis April und wird nach drei Monaten im Juli und August geerntet. Leindotter ist relativ anspruchslos und zeigt sich sowohl gegenüber Trockenheit also auch bei Frost überaus tolerant.

Förderung des ökologischen Gleichgewichts

Die Pflanze eignet sich hervorragend zum Zwischenfrucht- und Mischkulturanbau. Im Mischkulturanbau zeigt die Pflanze ein hohes Anpassungsvermögen an die Hauptfrucht, was sie zur perfekten Kavalierspflanze macht. Die Blüten des Leindotters bieten insbesondere für blütensuchende Insekten wie Bienen und vor allem Wildbienen eine wertvolle Nahrungsquelle.

In unseren Breiten werden die ausgepressten Samen (Ölkuchen) insbesondere als Futtermittel verwendet. Der Ernährungsbereich wird derzeit erschlossen. Das Öl der Leindotter-Samen enthält besonders viel gesundheitsfördernde, ungesättigte Fettsäuren (v.a. Omega-3). Daneben findet Leindotter-Öl in der Farbenindustrie sowie in begrenztem Umfang als Kraftstoff in der Landwirtschaft Verwendung.

 Zurück auf die Felder

Die Ludwig-Bölkow-Stiftung möchte gemeinsam mit Netzwerkpartnern und anderen Stiftungen diese alte Kulturpflanze mit ihren vielfältigen Vorzügen wieder auf die Felder zurückbringen.

So wurde im Oktober 2014 auf Initiative des Stiftungsratmitglieds Thomas Kaiser auf den Imkertagen in Donaueschingen die Leindotter-Initiative ins Leben gerufen. Aufgrund des steigenden Interesses wurde am 6. Februar 2017 in Nürnberg in den Räumen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) eine Netzwerk-Koordinationsgruppe ins Leben gerufen. Ziel der Netzwerk-Initiative ist, es eine gemeinsame Plattform zu schaffen, um Varietäten, Sortenzüchtung, Anbau und Vermarktung der alten Kulturpflanze Leindotter voranzubringen. Insbesondere soll eine Brücke geschlagen werden zwischen naturnaher Landwirtschaft mit Mischfruchtanbau ohne Pestizideinsatz und kulturnahem Naturschutz. Dazu wird bei der Auswahl der Pflanzen auf möglichst ganzjährige, insektenfreundliche Blütentracht und für Wildbienen geeignete Bedingungen geachtet.

Gründungsmitglieder der Initiative sind Organisationen und Einzelpersonen aus den Bereichen Landwirtschaft, Pflanzenzüchtung, Imkerei und Forschung. Beteiligte Verbände sind der BUND Naturschutz in Bayern e.V., die Stiftung Mensch und Umwelt, die Ludwig-Bölkow-Stiftung, das Netzwerk Protein regional, das Netzwerk Blühende Landschaft sowie Bienenverbände wie der Deutsche Imkerbund e.V. (DIB).

Im Jahr 2017 wird der Fokus zunächst auf der Bestandsaufnahme bestehender Sortenzüchtungen, geeigneter Anbauflächen und der Weiterentwicklung von Verarbeitungsstätten und Produkten liegen.

Die Leindotter-Initiative wird am 21./22. Juni auf den Ökofeldtagen 2017 in Frankenhausen vertreten sein.

 

Bildergalerie

Fotos: © Ludwig-Bölkow-Stiftung